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Weltreise mit Kindern - vom Traum zur Entscheidung

„Wir würden gerne eine Weltreise mit unseren Kindern machen“. So fing es an. Zu allererst träumten wir einfach nur zu zweit. Und irgendwann wurde das „würden gerne“ einfach gestrichen. Wir machen das. Einfach? Naja, die nächsten Wochen erzählen wir euch hier auf dem Weltreiseblog mehr über unsere Entscheidungen, die Vorbereitungen und natürlich lassen wir euch an der gemeinsamen Planung mit unseren Kindern teilhaben!

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Irgendwie greift ja immer das eine in das andere und so richtig erkennt man am Ende gar nicht, welches Ereignis dazu führte. In unserem Fall ist es sicher unser Arbeitgeber. Dort fing es an. In einem Sitzungssaal einer großen deutschen Bank am Börsenplatz in Frankfurt. Am 13.08.2003 fragte mich Mark, ob wir nicht zusammen Pizza essen gehen in der Mittagspause, es wäre sein Geburtstag. Wir sind nicht Pizza essen gegangen, Geburtstag hin oder her. Er war nicht mein Typ. Dachte ich. Die nächsten Jahre durfte ich feststellen, dass er total mein Typ ist. Er ist alles das, was in den kitschigen Romanen steht. Seelenverwandter, bester Freund, das ganze Gedöns. Aber hauptsächlich ist er mein Zuhause. Dort wo Mark ist, ist mein Zuhause.

Und obwohl wir Jahre gebraucht haben, bis wir zusammen Pizza essen gegangen sind, waren wir in allem anderen total schnell. Zusammenziehen, heiraten, Kind – haben wir alles in unserem ersten gemeinsamen Jahr erledigt… Mittlerweile sind wir 11 Jahre verheiratet, haben 2 Kinder und wohnen in einem Mittelreihenhaus. Wir sind zusammen gewachsen.

Es lief alles super. Recht normal. Bis mein Arbeitgeber anfing, Stellen abzubauen. Und da war ein Angebot „Geh mit Geld“. Ich nutzte die Chance, nahm das Geld und plante damit einen tollen Urlaub. Zwei Wochen Florida. Klar, man hätte die Terrasse machen lassen können, eine Sondertilgung auf die Baufi einzahlen, ein neues Auto wäre auch mal fällig… Aber wir wollten nach Florida. Und da war er dann. Der Moment. Mit den Zehen im Sand und Blick auf das Meer merkten wir, dass wir genau dorthin gehören. Tada – die strandfamilie – war da.

Der Traum von der Weltreise mit unseren Kindern

Nach und nach merkte ich, dass das, was wir uns aufgebaut haben, gar nicht das ist, was ich will. Der Groschen fiel, als ich nachmittags mit einer Freundin am Küchentisch saß und sie mit strahlenden Augen von Ihrem Haus und Ihrem Garten schwärmte. Wie sie es genießt, im Sommer Gemüsepflanzen aufzuziehen, im Sommer den Rasen zu mähen, im Herbst die Sträucher zu schneiden… Als ich nach Hause kam, blickte ich mich in unserem Haus um. Hier war nichts liebevoll dekoriert. Eher bunt zusammengewürfelt. Wo ich hinsah, war Unordnung. Chaos. Ich sah kein „wie schön, dass ich das erledigen kann“ sondern „ich will die Decke über den Kopf ziehen und im Bett bleiben“. Seit diesem Moment kann ich nicht mehr das Laub rechen, ohne zu denken „Es gibt sicherlich Menschen, die gerne in Ihrem eigenen Garten arbeiten möchten“. Ich nicht. Ich möchte neue Orte entdecken und fremde Luft schnuppern. Ich will die Zehen in den Sand stecken.

Aber was fängt man mit dieser Erkenntnis an? In kleinen Schritten wuchs immer mehr der Wunsch in mir, noch viel mehr zu reisen. Alle Ferien sind verplant. So viele Ziele. Ein anderer Job muss her – einer der uns noch mehr Ferien erlaubt. Zum Glück gibt es da draußen viele Menschen, die ihren Reise-Traum leben und darüber berichten. Schnell wurde ich Blog- und Instagram-süchtig. Je mehr ich über reisende Familien las, desto geringer wurde meine Angst.

Karriere = Glück?

Träumen ist toll und wichtig. Warum sind wohl die vermögenden Menschen immer so unglücklich? Ich denke, Sie haben das Träumen verlernt. Es geht nicht mehr darum, sich einen besonderen Wunsch zu erfüllen, sondern nur noch um das Verteidigen und Vermehren. Dennoch gibt es sicherlich Träume, die bei Tageslicht betrachtet doch besser Träume bleiben sollten. Mit 14 dachte ich, Karriere wäre was für mich. Wichtige Entscheidungen treffen, in dem höchsten Hochhaus sitzen, umringt von schick gekleideten Menschen. Heute, mit zwei Kindern und einem Mann, wünsche ich mir manchmal, weniger Entscheidungen treffen zu müssen (Darf ich das, darf ich hier?) und diese Entscheidungen sind sicherlich nicht so schwerwiegend wie „Expandieren wir mit einer neuen Produktsparte?“…. Mit 21 dachte ich, ein Eigenheim für meine kleine Familie wäre mein größter Wunsch. Mit einem Garten zum Herumtollen und keinen Vermietern, die vorschreiben, wann der Flur geputzt wird. Heute bin ich die, die meckert, weil der Flur geputzt werden muss… und glücklich bin ich über diese Rolle nicht.

Was ist sagen will? Manchmal musst Du einen Traum anprobieren, um zu merken, ob er Dir „passt“. Denn was ich mir früher nie hätte vorstellen können: Das ich rund um die Uhr mit den drei Menschen zusammen sein möchte, die ich am meisten liebe!

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Mein letzter Glückskeks beim Mittagessen mit den tollsten Kollegen

Unsere gemeinsame Entscheidung

Als Familie kann solch eine Entscheidung natürlich nicht allein getroffen werden. Ich habe das Glück, dass Mark genauso denkt (tut er doch, oder?). Aber die Kinder?

Schon häufiger hatten wir auch mit unseren Kindern über das Thema „Weltreise“ gesprochen. Dies hatte keine große Begeisterung ausgelöst…

Es war also Zeit für einen Familienabend mit Chips. Juli dachte beim Thema „Weltreise“, wir würden nie wieder nach Deutschland kommen. Diese Sorge konnten wir ihm getrost nehmen. Danach kam die Sorge „Und wie kann ich da zocken?“. Jonas hängt an unserem Haus. Hier ist er aufgewachsen, es ist sein Zuhause. Wenn wir wiederkommen, möchte er wieder hier leben. Zwischenzeitlich soll aber auch niemand sonst in seinem Zimmer wohnen… Schon schwieriger.

Aber es gab keine großen Bedenken bezüglich Freunde oder Familie. Hätte mir jemand in der 4. Klasse gesagt, ich solle für ein Jahr nicht in die Schule gehen, ich hätte Angst gehabt, danach wieder Anschluss zu finden… Aber diese Angst hatten die beiden gar nicht.

Keine ungeklärten Fragen mehr

Und irgendwann war der Moment da. Es gab keine ungeklärten Fragen mehr. Es gab auf alles eine Antwort und keinen Zweifel mehr. Uns wurde klar, dass das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre, festzustellen, dass eine Langzeitreise nichts für uns ist. Lieber stelle ich fest, dass ich den falschen Traum träume, als ein Leben lang diesem Traum hinterher zu rennen!

Es mag Menschen geben, die nach dieser Entscheidung die Sachen packen und losziehen. Dazu gehören wir nicht. Natürlich könnten wir dies jetzt auf die Kinder schieben, aber ich bin mir sicher, auch ohne die Jungs würden wir nicht einfach alle Zelte abreißen und morgen im Flieger sitzen.

Tja, und so haben wir zu der Entscheidung getroffen, mit unseren Kindern auf Weltreise zu gehen.

Nächste Woche erzählen wir euch, wie wir mit dem Thema „Was passiert mit unserem Haus während der Weltreise?“ umgegangen sind.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben! Folgt eurem Herzen!

    1. Das werden wir! Vielleicht laufen wir uns ja tatsächlich irgendwo über den Weg!

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