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Schulbeurlaubung für die Weltreise mit Kindern

Eine Weltreise mit schulpflichtigen Kindern – das klingt toll: Familienzeit, kein Termindruck und die Zeit, sehr intensiv auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Mittlerweile sind Langzeitreisen in jungen Jahren -bevor das erste Kind unterwegs ist- ja keine Seltenheit mehr. Auch das Wort „Elternzeitreise“ taucht immer häufiger auf  (gerade durch das Elterngeld interessant): frische Eltern entdecken mit ihren Babys im Tragetuch die Welt. Die gute Nachricht: Gemeinsam mit Schulkindern ist es ebenso möglich die Welt zu bereisen!

In diesem Text geht es vor Allem um die Vorgehensweise zur Beantragung der Schulbeurlaubung. Unsere Entscheidung für den Schritt zur Weltreise mit unseren Kindern haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Seit über 100 Jahren gibt es die Schulpflicht in ganz Deutschland. Somit müssen Kinder ab einem bestimmten Stichtag (unterschiedlich in den jeweiligen Bundesländern) die Schule besuchen. Und genau hier gibt es einen wichtigen Unterschied zu einigen Nachbarländern. In Österreich gibt es eine Bildungspflicht. Es geht also nicht darum das Schulgebäude aufzusuchen, sondern gewisse Bildungsstandards zu vermitteln – dies kann eben auch über Homeschooling erfolgen. Diese Möglichkeit gibt es in Deutschland in eingeschränktem Maße auch, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, aber auf Grund einer Weltreise eben nicht.

Wenn Ihr mit schulpflichtigen Kindern eine Weltreise plant, habt ihr zwei Möglichkeiten:

1.Möglichkeit: Schulbeurlaubung der schulpflichten Kinder für die Weltreise

Eines vorweg: Wir reden hier immer von einer Langzeitreise. Es geht nicht darum, mal ein paar Tage länger Urlaub zu machen! Dies wird in der Regel nicht gerne gesehen – verständlich, sonst wären die Klassenräume zukünftig schon ein paar Tage vor Ferienbeginn leer (günstigere Urlaubspreise etc.).

Ihr könnt einen Antrag auf eine Schulbeurlaubung für den gewünschten Zeitraum stellen. Achtung: Wer diesen genehmigen darf, ist wieder in jedem Bundesland anders geregelt. Im Idealfall wird dieser Antrag genehmigt und eure Kinder müssen während der Reisezeit nicht die Schule besuchen.

Wir haben eine Schulbeurlaubung für unsere beiden Kinder erhalten, die einzelnen Schritte erklären wir euch weiter unten. Auch ist es uns wichtig, hier deutlich zu sagen: Wir sind keine Schulgegner! Unsere Kinder gehen gerne in die Schule, wir haben uns immer alle dort sehr wohl gefühlt und fühlen uns -sowohl der Grund- als auch der weiterführenden Schule- sehr verbunden.

2. Möglichkeit: Abmeldung aus Deutschland

Sollte euer Antrag auf Schulbeurlaubung abgelehnt werden, habt ihr die Möglichkeit euch aus Deutschland abzumelden. Vielleicht entscheidet ihr euch aber auch direkt für diese Variante, weil ihr zum Beispiel eine Open-End Reise plant. Ist euer Kind in Deutschland nicht mehr gemeldet, entfällt auch die Schulpflicht. Falls ihr natürlich einen Wohnsitz in einem anderen Land plant, müsst ihr die dortigen gesetzlichen Regelungen zur Schulpflicht prüfen.

Mit der Abmeldung aus Deutschland gibt es einige Konsequenzen. Da wir diesen Weg nicht gewählt haben, um die Weltreise mit unseren schulpflichtigen Kindern zu erleben, gehen wir hier nicht weiter darauf ein. Eventuell solltet ihr mit einem Steuerberater dieses Thema besprechen, gerade wenn ihr zum Beispiel durch ein Gewerbe oder Eigentum in Deutschland weiterhin steuerpflichtig seid.

Julians Einschulung 2018
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Einschulung Jonas 2015

Unsere Vorgehensweise zur Beantragung der Schulbeurlaubung

Unsere Situation:

Wir leben in Hessen, hier darf die jeweilige Schulleitung den Antrag auf eine Schulbeurlaubung genehmigen (Stand 2019).

Julian ist zu Beginn der Weltreise 8 Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Er verpasst also das 2. Halbjahr der zweiten Klasse und das 1. Halbjahr der dritten Klasse.

Jonas ist dann 11 Jahre alt und geht in die fünfte Klasse. Er verpasst das 2. Halbjahr der fünften Klasse und das 1. Halbjahr der sechsten Klasse.

Jonas ist seit ein paar Monaten auf der weiterführenden Schule, davor hat er die gleiche Grundschule wie sein Bruder besucht. Somit kannte uns die Direktorin der Grundschule schon recht lange. Dem Direktor des Gymnasiums, auf das Jonas nun geht, waren wir jedoch unbekannt.

Vorbereitung auf die Schulgespräche:

Erst einmal ist es sinnvoll herauszufinden, wer euren Antrag genehmigen darf. Dafür solltet ihr euch das Schulgesetz eures Bundeslandes zur Hand nehmen und dies lesen. Aber, so ganz genau steht das da vielleicht gar nicht drin… Meine Recherche ergab, dass in Hessen die jeweilige Schulleitung zuständig ist. Um Erfahrungen von anderen Reisefamilien zu bekommen, empfehle ich euch Weltreisegruppen mit Kindern auf Facebook. Dort gibt es häufig auch Sammelposts und ihr könnt schauen, ob jemand vielleicht Erfahrungen in eurem Bundesland gemacht hat.

Es spielt eine große Rolle, ob ihr euren Antrag mündlich vorbringen könnt, oder „nur“ schriftlich an das zuständige Amt schicken müsst. So ein mühevoll ausgearbeiteter Text mit all eurer Leidenschaft für fremde Kulturen, ist auf einem überfüllten, emotionslosen Arbeitstisch in einer Behörde doch schnell mal abgelehnt. Sitzt ihr der entscheidenden Person gegenüber, fällt es dieser bestimmt schwerer euren Traum nicht zu begleiten.

Ich habe zur Vorbereitung auf die Gespräche das hessische Schulgesetz und den Rahmenlehrplan gelesen. Als ich den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule las, wurde mir nur einmal mehr bewusst, warum wir diese Reise machen. Es geht um Werte, Toleranz und Gerechtigkeit. Fremde Kulturen, eine vorurteilfreie Weltanschauung und verantwortungsvolles, gesellschaftliches Handeln. Alle diese Argumente, die für eine Weltreise mit schulpflichtigen Kindern sprechen, finden sich dort tatsächlich wieder!

Folgende Fragen solltet ihr beantworten können:

  • werdet ihr während der Reise unterrichten?
  • welche Möglichkeiten der Unterrichtung stellt ihr euch vor? (eigenes Lernmaterial, Lernmaterial der Schule, Fernschule etc.)
  • soll euer Kind nach der Reise in seine alte Klasse zurück?
  • wie soll der Kontakt zur Schule stattfinden (soll er überhaupt?)

Wir hatten Meinungen zu allen Punkten, haben diese jedoch mit den Lehrern und Direktoren besprochen und am Ende gemeinsam entschieden. Ihr solltet also nicht zu festgefahren auf eurem Standpunkt verharren, dennoch aber gut vorbereitet sein.

Denkt immer daran: Die Entschiedungsträger der Schule haben meist schon sehr lange Erfahrung mit dem Unterrichten von Kindern. Von dieser Meinung könnt ihr profitieren, lasst euch also darauf ein. Erfahrungen zu einer Beurlaubung auf Grund einer Weltreise gab es an unseren beiden Schulen übrigens nicht.

Gespräche mit den Lehrern

Für die Kinder war es eine schwierige Situation: Zu Hause redeten wir ununterbrochen über das Thema Weltreise. In der Schule durften sie nichts sagen. Ich wollte unnötige Missverständnisse oder ähnliches vermeiden. Daher vereinbarten wir die Termine mit den jeweiligen Klassenlehrerinnen und der Schuldirektorin recht schnell. Tatsächlich wussten die Lehrer von unseren Plänen bevor es einige unserer engsten Freunde von uns erzählt bekamen.

Ich entschied mich dazu, zunächst mit den Klassenlehrern zu sprechen. Sie kennen unsere Kinder ziemlich gut und ihre Meinung dazu interessierte mich sehr. Die Gespräche liefen mehr als gut, beide Lehrerinnen befürworteten die Reise und waren tiefgehend interessiert. Bei diesen Gesprächen waren die Kinder übrigens dabei und konnten so gleich die Fragen der Lehrerinnen mit beantworten.

Gespräche mit den Schuldirektoren

Gemeinsam mit Mark fand erstmal das Gespräch mit der Direktorin der Grundschule statt (zu dem Zeitpunkt waren beide Kinder noch auf der Grundschule). Ich muss zugeben, dass wir richtig aufgeregt waren. Eine Abmeldung aus Deutschland würde für uns recht schwierige Konsequenzen haben, so hing doch ganz schön viel an diesem Gespräch.

Zu unserer Freude, stießen wir auf interessierte Fragen und schon einigen Ideen zur Verwirklichung unserer Pläne. Die Schulleitung vergewisserte sich nochmal (bis hin zum Kultusministerium), dass tatsächlich in Hessen die Direktoren der jeweiligen Schule die Genehmigung für die Weltreise mit schulpflichtigen Kindern aussprechen dürfen. In den folgenden Monaten erhielten wir dann unsere schriftliche Genehmigung der Schulbeuurlaubung für ein Jahr.

Hört sich krass emotionslos an, wie es so da steht. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass uns ein riesen Stein vom Herzen fiel!

 

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Idealer Reisezeitpunkt für die Weltreise mit schulpflichtigen Kindern

Einen wichtigen Punkt hatten wir auf der Liste, bei dem wir uns unsicher waren: Der richtige Zeitpunkt. Da es für uns keinen festen Termin gab, zu dem wir gebunden waren (Sabbatical oder ähnliches), wollten wir den Reisezeitraum so legen, dass er ideal für die Kinder war.

Die beiden Direktoren (zu unserem Glück gut vernetzt) schlugen vor, die Kinder kein klassisches Schuljahr (Sommer bis Sommer) aus der Schule zu nehmen, sondern lieber zum Halbjahr. Hintergrund sollte eigentlich sein, dass die Rückkehr für die Kinder im Halbjahr einfacher wäre. Sie könnten in ihre alten Klassen zurück und die Lehrkraft hätte bis zum Schuljahresende Zeit zu prüfen, ob der Unterrichtsstoff sitzt und eine Versetzung in die nächste Klasse möglich ist.

Dieser Plan hat vermutlich nicht ganz geklappt. Jonas geht zum zweiten Halbjahr der 5. Klasse und soll in diesem dann auch wieder einsteigen. Klar, er hat schwer geschluckt, dass er nicht zurück in seine alte Klasse gehen wird… Das war echt noch eine harte Nummer für ihn… Aber letzendlich ist es bestimmt die richtige Entscheidung. Denn den Unterrichtsstoff für die 5./6. Klasse zu vermittlen ist eine andere Hausnummer als in der 2./3. Klasse.

Einen idealen Zeitpunkt aus Schulsicht gibt es vermutlich nicht wirklich. Da spielen zu viele individuelle Aspekte eures Kindes mit ein. Wir haben während der letzten Monate nur wieder gemerkt, dass in all diesen Entscheidungen der Schule unsere Kinder im Mittelpunkt standen. Alle Lehrer und Schulleiter haben uns unterstützt und an unsere Pläne geglaubt. Ich muss zugeben, dass ich damit nicht gerechnet hatte. Aber es hat unglaublich gut getan, nicht gegen Argumente kämpfen zu müssen, sondern gemeinsam Lösungen zu finden!

Kurze Zusammenfassung unserer Schritte zur Schulbeurlaubung für eine Weltreise:

  • Entscheidung: Schulbeurlaubung oder Abmeldung aus Deutschland
  • Entscheidung: Freilernen oder Unterrichten
  • groben Plan der Reise mit Zielen und Wünschen (auch aus entwicklungstechnischer Sicht für die Kinder)
  • mit dem Schulgesetz und dem Lehrplan auseinenandersetzen
  • Klären, wer die Schulbeurlaubung entscheiden darf
  • Gespräche mit den Klassenlehrern vereinbaren
  • Gespräche mit den Schuldirektoren vereinbaren
  • schriftlichen Antrag zur Schulbeurlaubung einreichen
  • falls genehmigt: Nächster Schritt – „Wie unterrichten wir während der Weltreise?“
  • falls abgelehnt: Gründe erfragen, Argumente wiederlegen, mit den Konsequenzen einer Abmeldung aus Deutschland beschäftigen. 

Wie unterrichten wir während der Weltreise?

Da Julian wieder in seine alte Klasse zurückkommt, orientieren wir uns am Unterrichtsstoff der Schule. Jonas wird während Julians Lernzeit vor allem bisherigen Stoff festigen und freilernen. Wie genau wir uns das vorstellen und auch wie es denn dann klappt, halten wir dann in einem extra Beitrag fest. Dieser wird in den nächsten Wochen geschrieben (hoffe ich doch…).

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