Freilernen – Wie sich unsere Kinder Bildung erschließen

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  • Beitrag zuletzt geändert am:19. April 2024
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Ich muss zugeben: Vor unserer Weltreise hatte ich keine Ahnung, was Freilernen genau bedeutet. Ich hatte schon von Familien gehört, die ihre Kinder nicht in eine Regelschule schicken wollten, hatte dort aber immer eher im Hintergrund Schulprobleme vermutet. Ich sah diese Geschichten, die man auch in den Sozialen Netzwerken nachlesen kann: Von Familien, die dann nach vielen harten und leidvollen Erfahrungen, häufig nach vielen Gesprächen mit Psychologen und oft einer ADHS-Diagnose für das Kind entscheiden, dass sie einen anderen Weg gehen möchten.

Das waren wir nie. Wir sind alle gerne in die Schule gegangen und es gab für uns keinen Grund, das Schulsystem zu hinterfragen. Ja, wir haben auch immer mal geschimpft, wie viel Schulwissen wir über die Zeit doch vergessen haben, weil wir es nie anwenden konnten/mussten. Bei den Hausaufgaben sind hin und wieder Tränen geflossen und unter der Klassenarbeit standen nicht nur Top-Noten.

Ein paar Anregungen zur Optimierung der schulischen Bildung hätten wir schon gehabt, aber das ganze System in Frage stellen? Die Schule verweigern? Uns aus Deutschland abmelden, um der Schulpflicht für unsere Kinder zu entgehen? Erst durch unsere Reise haben wir das Freilernen bzw. alternative Schul- und Lernkonzepte kennengelernt.

In diesem Text möchten wir unsere Gedanken zum Freilernen mit euch teilen. Es ist die Geschichte einer Familie mit guten Erfahrungen im klassischen Schulsystem und den ersten Berührungen mit dem Alltag als Freilerner.

Während beim Homeschooling oder auch im Schulunterricht Themen nach einem vorgefertigten Lehrplan erarbeitet werden, steht Freilernen für ein selbstbestimmtes Lernen. Zeitlich und räumlich ungebunden. Bei Freilernern steht das eigene Interesse im Mittelpunkt. Familien, die vom Freilernen – oder Unschooling – überzeugt sind, berichten immer wieder, dass sie durch das Leben selbst lernen. Nicht nur über Hefte und Bücher, sondern meist in der Natur und im Alltag. Durch ein gemeinsames Zusammenleben, aber auch durch die Entfaltung der eigenen Interessen.

Freilerner vertrauen darauf, dass jeder Mensch neugierig ist und lernen möchte. Aus eigenem Antrieb. Es gibt keine Vorgabe, dass Kinder mit sechs Jahren lesen lernen müssen. Die passenden Hilfsmittel und Unterstützungen werden angeboten, sobald das Kind das Verlangen spürt, dieses Geheimnis zu ergründen.

Grundsätzlich sollte ein freilernendes Kind nicht von den Eltern in eine gewisse Richtung gelenkt werden, jedoch werden selbstverständlich Impulse geliefert (Besuche in Büchereien, Museen, Theater etc.). Auch erfolgt keine Wertung. Stundenlanges aus dem Fenster schauen und die Umwelt betrachten ist genauso in Ordnung, wie lesen, freispielen oder draußen toben.

Freie Entfaltung - Lernen nach Interessen

In den Grundsätzen begeistert mich die Idee des Freilernens. Jedes Kind hat seine eigene Geschwindigkeit. Der eine liest schon vor der Schulzeit, der andere entdeckt die Bedeutung des Lesens erst später für sich. Der eine liebt es, Geschichten zu lauschen und schön klingende Wörter zu benutzen, der andere sieht Buchstaben nur als Quelle, um Wissen zu entschlüsseln. Die Interessen sind höchst unterschiedlich und eine individuelle Förderung unschlagbar.

Doch was ist, wenn das aktuelle Interesse aus „Serien schauen“ und an der „Spielkonsole zocken“ besteht? 

Auch dies ist ja ein Lernprozess. Selbst wenn die Serie, die unser Kind schauen möchte, uns noch so oberflächlich erscheint, so werden wir doch in eine ganz andere Welt mitgenommen. Erleben Empathie, wägen ab, versetzen uns in das Abenteuer und erfahren Dinge aus einer anderen Galaxie, einem anderen Land oder was auch immer. Schauen wir gemeinsam Fernsehen, staune ich immer wieder, was unsere Kinder wahrnehmen. Wir sehen den gleichen Film, aber während ich die Gefühle der Protagonisten interpretiere, achtet Jonas auf räumliche Kleinigkeiten, Mark sucht nach wirtschaftlichen Gründen für die Geschehnisse und Julian versucht vorherzusagen, wie die nächsten Handlungsschritte sind. 

Genauso ist es mit dem Zocken auf der Spielkonsole. Auch dort werden Fähigkeiten trainiert. Logisches und räumliches Denken, mit Materialen wirtschaften, die Kinder errechnen, wie viele Spielpunkte zum nächsten Level fehlen, Motorik und Reaktionsgeschwindigkeit, usw.

Nicht alles muss unserer Meinung nach den Stempel „pädagogisch wertvoll“ tragen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich auf Dauer nicht gewillt bin, dass meine Kinder den ganzen Tag vor dem TV sitzen. Und nein, ich möchte es nicht ausreizen und warten, bis sie von sich aus die Geräte abschalten. 

Ich sehe hier FÜR UNS also tatsächlich Grenzen des Freilernens. Die aber eigentlich im krassen Gegenteil der Überzeugung stehen: Denn sollte die freie Entfaltung des Freilernens nicht grenzenlos sein?

Lernen ohne Vergleiche

Das Lernen ohne Schule bedeutet gleichbringend auch ein Lernen ohne Vergleiche. Ohne Noten. 

Keine Noten, welche unsere Kinder möglicherweise unter Druck setzen. Dieses Prinzip kennen wir aus der Grundschule (unsere Kinder bekamen dort erst in der vierten Klasse Schulnoten). Viele von uns können sich vielleicht noch an das beschämende Gefühl erinnern, wenn wir eine schlecht benotete Arbeit zurückbekamen und der Nachbar strahlend fragte: „Ich hab eine 1, und du??“

Keine Noten, die motivieren. Jeder Mensch ist anders. Druck bedeutet für den einen Belastung, der andere fühlt sich angespornt und gibt alles. Wie beim Endspurt im Sport, um den Läufer vor mir noch schnell einzuholen.

Keine Noten, um zu Vergleichen. Ich, die hier diesen Text schreibt, hatte große Bedenken, da es an der Grundschule unserer Kinder erst ab der vierten Klasse Schulnoten gab. Ich wollte einen Notenschnitt. Wollte wissen, wo genau mein Kind steht. Hatte keine Ahnung, welche Entwicklung „normal“ ist und suchte einen Leitfaden, der mir bestätigt: Alles super. Eine Schulnote an sich hatte in meinen Augen wenig Bedeutung, wenn ich sie nicht im Klassenvergleich sehe.

Der Vergleich mit anderen kann Kindern helfen. Uns Eltern eher selten. Er verunsichert, macht Angst, und wenn der Vergleich uns stolz macht, können wir sicher sein, dass genau dieser Vergleich aber negative Gefühle bei anderen Eltern auslöst.

Beim Freilernen gibt es keine Messlatte. Keinen Leistungsdruck. Wenn wir dies denn hinbekommen. Denn dazu gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und Überzeugung. Für die Eltern. Wir müssen unserem Umfeld standhalten, unsere Überzeugung vom Freilernen gut argumentieren können und dürfen uns nicht zum ständigen Vergleich verleiten lassen. Ich muss sagen: mir gelingt das nicht immer.

Auch ohne Schule und Noten vergleiche ich immer wieder. Unbewusst. „Wahnsinn, wie gut sich der Fabian in Erdkunde auskennt!“ und am nächsten Tag, in einem passenden Moment, frage ich ganz scheinheilig meine Kinder ab: „Ich krieg gerade gar nicht alle deutschen Bundesländer zusammen. Könnt ihr mir mal helfen??“. Ich sehe auf Instagram, wie eine mir völlig unbekannte Familie in der Natur Bäume und Sträucher fehlerfrei benennt und stelle fest „Oh Gott, ich kenne diese Pflanzen nicht – also kennen die meine Kinder auch nicht!!“, krame im Regal und packe das Naturkundebuch für den nächsten Ausflug ein. Frei von vergleichen sind wir auch ohne Schule und Noten nicht.

Keine Schulnoten zu haben, bringt viele Vorteile mit sich – für einige Kinder.

Keine Schulnoten zu haben, bringt viele Nachteile mit sich – für einige Kinder.

Keine Schulnoten bringen nur  Vorteile – für uns Eltern. Keine Schulnoten zwingen uns nämlich dazu, genauer hinzuschauen. Nicht zu werten, sondern zu beobachten und gegebenenfalls zu unterstützen.

Verstehen. Nicht auswendig lernen.

Was wir mit Begeisterung lernen, was wir uns selbst erarbeiten, was wir aufsaugen, recherchieren, hinterfragen, begreifen und erleben, dieses Wissen bleibt. Wie viel Schulwissen haben wir uns während der Schulzeit für eine Arbeit in den Kopf gepaukt und letztendlich dieses Wissen nie wieder benötigt? Welch ein Glück, dass wir es nie wieder benötigt haben, es ist ja nicht mehr da… 

Beim Freilernen wird keine Zeit für Speichern von Wissen „verschwendet“, dessen Sinn sich für das Kind nicht erschließt. Kinder haben so die Möglichkeit, intensiv an einem Thema zu arbeiten, welches sie wirklich interessiert.

Dies bringt mich zu einer Buchempfehlung: „Das neue Lernen: heißt Verstehen (Amazon-Link)*“. Der Autor und Hirnforscher Henning Beck erklärt einfach und verständlich die Lernprozesse im Gehirn. Wie wir lernen und wie sich dieses Wissen auch dauerhaft festigt. 

Bei meiner Suche nach einem Buch zum Thema „Lernen“ musste ich voller Entsetzen feststellen, dass der Großteil der Bücher sich damit beschäftigt, wie man effektiv und schnell Informationen für die nächste Klassenarbeit ins Hirn pumpt. Für gute Noten. Bulimie-Lernen nennt sich das Ganze. Da wird einem tatsächlich schlecht von.

Nicht so das Buch „Das neue Lernen: heißt Verstehen (Amazon-Link)*“. Für mich ist dieses Buch ein Plädoyer fürs Freilernen. Es handelt darum, wie sinnvoll Allgemeinbildung ist. Wissen aufzubauen und zu verknüpfen. Ein Weltversteher zu werden.

Henning Beck zeigt Lernmethoden auf, die helfen, effektiver zu verstehen, anhand von Beispielen aus der Forschung und Wissenschaft. Er fordert uns auf, uns mit dem Problem zu beschäftigen, Lösungen zu suchen und erst im Anschluss den Lösungsweg nachzuschlagen.

Ein tolles Handbuch für Eltern, die Ihre Kinder unterstützen möchten, sich selbst Wissen aufzubauen und für alle Lernenden, denen es darum geht, Ihren Horizont zu erweitern. Denn, ich zitiere den Autor: „Wer nichts weiß, kann auch nichts verstehen“.

Was ich an vielen Freilerner-Büchern nicht mag? Die Verteufelung des Schulsystems. Unterschwellig reißen den Autoren immer wieder alte Wunden aus der Schulzeit auf und führen dazu, dass Freilernen und der schulische Bildungsweg verglichen werden.

Dies gibt es bei André Stern nicht. Es gibt keine schlechten schulischen Erfahrungen. Er hat nämlich gar keine Schulerfahrung. André Stern wuchs in einem liebevollen, unterstützenden Umfeld auf. Mit Eltern, die ihn förderten, jedoch nie (über-)forderten.

André Stern wurde nie gedrängt lesen oder schreiben zu lernen. Er erhielt Impulse durch sein Umfeld. Durch das ganz normale Leben. Wissbegierig saugte er das Leben auf und lernte ganz selbstverständlich aus reiner Neugierde und reiner Begeisterung.  Er hat nie eine Schule besucht und ist vermutlich gebildeter als ein Großteil derer, die jahrelang zur Schule gingen.

Das Buch „…und ich war nie in der Schule (Amazon-Link)*“ von André Stern erzählt seine Lebensgeschichte. Wie er sich ausleben und verwirklichen durfte. Von seinen Eltern, die eine unerschütterliche Zuversicht ins Leben und ein Urvertrauen auf den Verstand besitzen. 

Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, die sich die Frage stellen „Wie funktioniert Freilernen?“. Das Buch „…und ich war niemals in der Schule“ gibt eine Antwort auf diese und viele weitere Fragen. Eine Antwort – nicht die Antwort. Denn André Stern weiß: jeder von uns geht seinen eigenen Weg. Es gibt keine pauschal richtige Antwort.

Kein Plädoyer fürs Freilernen

Dies ist kein Plädoyer fürs Freilernen. Dies sind meine Gedanken zum Freilernen. Teils kritisch. Teils überzeugt.

Ich sehe Grenzen. Mir fehlt die Gruppendynamik, welche in einem Klassenraum entstehen kann. Mir fehlen die Erfahrungen und lustigen Erlebnisse, die Kinder während eines Schulbesuchs machen können. Das Gefühl des Klassenzusammenhaltes.

Ich spüre Grenzen. Meine eigenen. Wir tragen die alleinige Verantwortung für die Bildung unserer Kinder. Meist fühle ich mich wohl dabei. Oft stimmt mich dies euphorisch, da wir uns so intensiv mit verschiedenen Themen beschäftigen können. Manchmal macht es mir aber auch Angst.

Ich überschreite Grenzen. Immer wieder. Gerade wenn die Angst kommt. Diese Grenzen und Blockaden in meinem Kopf sind durch das Schulsystem entstanden. Werte und Normen, an die ich nicht glaube, die jedoch immer wieder hochkommen. 

Ich muss an der Stelle den ehemaligen Leitsatz einer Großbank zitieren: Ich glaube an „Leistung aus Leidenschaft“! Lernen aus purer Neugier, mit grenzenlosem Interesse. Dafür brauchen wir kein Schulgebäude. Keinen Lehrplan. Auch wenn genau das der „kleinste gemeinsame Nenner“ ist, auf den man seinerzeit das deutsche Schulsystem gebracht hat.

Die Welt ist unsere Schule

Und sind wir jetzt Freilerner? Im eigentlichen Sinne des Freilernens nicht.

Immer wieder gibt es Phasen, in denen wir mit Schulheften arbeiten. Unsere Kinder lernen mathematische Grundlagen und Rechtschreibung. Regelmäßig trainieren wir alle zusammen Kopfrechnen. Der Rahmenlehrplan des Kultusministeriums wird regelmäßig durchblättert, wie ein Katalog, von dem wir uns inspirieren lassen.

Wir sind eine Reisefamilie. Die Welt ist unsere Schule. Wir lernen den Buddhismus in Thailand kennen. Wandeln auf römischen Spuren im Kolosseum oder in Pompeji und staunen über die Wand- und Deckenbemalung in der Sixtinischen Kapelle. Im Archimedes Museum lernen wir Hebelgesetze und dank Da Vinci sprechen wir über das letzte Abendmahl. Wir beobachten Wale in Island und hören stundenlang Hörbücher über die nordischen Götter. Wir lernen das, was die Welt uns vor die Nase setzt. Wir hinterfragen, besuchen Museen und wandern durch die Natur.

Bildung ist so individuell wie jeder Lernende selbst. Keiner sagt, dass unser Weg besser ist als ein anderer. Sollten wir uns irgendwann wieder für ein Leben in Deutschland entscheiden, wird sich zeigen, wie der Wiedereintritt unserer Kinder in das Schulsystem klappt.

Edit: Mitte 2023 haben wir unsere Weltreise beendet. Unsere Kinder wurden altersgerecht in ihre Klassen eingestuft und sind schnell wieder gut im Schulalltag angekommen. In unserem Newsletter berichte ich ausführlicher über unsere Rückkehr und meine Gedanken zum Schulsystem. Hier gehts zur Anmeldung.

Was sind eure Gedanken zum Freilernen? Wir freuen uns über einen Austausch in den Kommentaren!

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Weitere Blogbeiträge zum Thema "Lernen" und "Bildung":

Im Februar 2020 starteten wir unsere Weltreise mit einer 1-jährigen Schulbeurlaubung für unsere Jungs. Im Blogbeitrag „Schulbeurlaubung für die Weltreise“ erzählen wir euch unsere Vorgehensweise, um die Schulbeurlaubung zu erhalten und die Vorbereitungen zum Homeschooling.

Im Artikel „Lernen auf Reisen – Homeschooling mal anders“ geben wir euch einen Einblick, wie das Lernen auf Reisen bei uns so funktioniert. Gerade im ersten halben Jahr unserer Reise fand in unseren Köpfen der Prozess von „Lernen nach Plan“ zum „Travelschooling“ statt. Im Rückblick „Unsere Weltreise – die ersten 6 Monate“ erzählen wir euch davon.

Weitere Artikel für Lern-Ideen:

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Manuela

    Hallo!
    Sehr spannend, zu lesen, was Du unter Freilernen verstehst. Ein bisschen blickt durch, wie die tägliche Umsetzung aussehen kann. (Ich nehme an, das findet sich unter den getaggten Worten.)

    Ich stosse mich jedoch immer wieder daran, wenn von Freilernen behauptet wird, die Kinder könnten selbstbestimmt gesund mit digitalen Medien umgehen. Beim Kompass zB wird sogar mit sogenannten Mythen rund um die Schädlichkeit von Fernsehen aufgeräumt (TV macht dick, macht dumm, u.ä.). Was aber auch hier zu kurz kommt: Die Hirnforschung zeigt, dass junge Kinder von TV und Games überfordert sind und Ton und Figuren nicht in Zusammenhang bringen können. Ausserdem zeigt die Forschung, dass die meisten für Kinder konzipierten Serien zu schnelle Schnitte und zu viel Wendungen enthalten. Selbst bei Erwachsenen wird der präfrontale Kortex quasi gelähmt, was dazu führt, dass man die Impulse schlechter steuern kann, man kann sich schlecht zum Abschalten durchringen. Dafür wird bei den meisten Games das Belohnungszentrum aktiviert, wodurch wir davon mehr wollen. Wer behauptet, seine Kinder könnten das sehr wohl selbstbestimmt gesund regulieren, hat m.M.n. 1. eine andere Sicht auf das was am Bildschirm „gelernt“ wird (was sich dann zB stark im Spielder Kinder widerspiegelt, wo sie das Gesehene noch verarbeiten, um es irgendwie auf die Reihe zu bekommen) und 2. warum das Kind sich reguliert (je jünger, desto überforderter, desto eher gehen sie weg vom Bildschirm; wenn nach 3h abgeschaltet wird, oder der TV den ganzen Tag läuft und mal schaut man rein, mal nicht, empfinde ich dies nicht mehr als gesund etc). Ich kann da zu Deiner Grenzsetzung also nur applaudieren und Dir ein gutes Rückrad wünschen gegenüber anderen Freilernen, die ihre Kinder – meist aus Unwissen heraus, manchmal jedoch auch aus Überzeugung – einfach gewähren lassen.
    Merci für den Beitrag
    Manuela

    1. Jenni

      Hallo Manuela, vielen Dank für deine Nachricht. Falls du Interesse hast und social Media nutzt: ich gebe montags immer in der Story einen Einblick in unsere Lernwoche. Sehe es ähnlich, eine eigene Regulation bekommt nicht jedes Kind alleine hin. Ausnahmen mag es hier geben. Wie überall: Jedes Kind ist anders. Unsere Erfahrungen beziehen sich ja auf unsere Familie und da gilt: von alleine wird selten der TV / die Spielkonsole ausgeschaltet. Lasse ich das laufen, endet dass mit unausgeglichenen und schlecht gelaunten Kindern. Liebe Grüße Jenni

  2. Daniela

    Habe grad schwierigkeiten mit der Schule weil meine Tochter n6 Monate nicht zur Schule ging und die haben jetzt das Jugendamt eingeschaltet.
    Aber meine Tochter will nicht zur Schule gehen und leider richtig physisch darunter.

    Zur Zeit Weiss ich nicht mehr was ich tun soll das es ja Schulpflicht gibt.
    Am liebsten würde ich unser Sachen packen und abhauen.

    1. Jenni

      Hallo Daniela! Wir drücken euch ganz doll die Daumen, dass ihr den richtigen Weg für euch findet. Leider haben wir keine Erfahrung zum Freilernen in Deutschland (wir sind Reisende und haben keinen festen Wohnsitz in Deutschland). Ich schicke dir noch eine private Nachricht, alles Liebe Jenni

  3. Katharina

    Liebe Jenni,

    Eure Webseite ist toll!
    Wir überlegen auch eine Weltreise zu machen und würden uns ganz von Deutschland abmelden. Du erwähnst Konsequenzen einer Abmeldung, was genau meintest Du damit? Kindergeld, Steuer, Schulpflicht, KV, etc ist mir klar, aber gibt es bzgl Schule etwas zu bedenken wenn man wieder zurückkommt? Was passiert wenn man die Kinder gar nicht wirklich unterrichtet sondern nur den schon gelernten Stoff festigt und sie dann einfach da weiter einsteigen lässt wo sie waren, also ein Jahrgang darunter? Schulwechsel ist ohnehin geplant.
    Über Deinen Rat würde ich mich sehr freuen.
    Alles Liebe Katharina

    1. Jenni

      Hallo Katharina! Freu mich sehr, dass dir unser Reiseblog gefällt;).
      Unsere Kinder waren 3 1/2 Jahre nicht in der Schule und sind diesen Sommer wieder altersgerecht eingeschult worden (also in die Klassenstufe, in der sie auch ohne Reise wären). Sie haben in der schulfreien Zeit Mathe gelernt (ungefähr nach Lehrplan, mittels Schulheft und Anton LernApp) und wir haben die Rechtschreibung gefestigt. Grammatik haben wir gar nicht gemacht. Alle anderen Schulfächer nur nach Interesse unserer Kinder, bzw. dem, was uns auf Reisen begegnete (zB viel amerikanische Geschichte). Beide sind nun also wieder mit ihrem Jahrgang eingestuft und schreiben gute bis sehr gute Noten.
      Ihr habt vor ein Jahr lang zu reisen? Wenn die Kinder eh wieder auf die selbe Schule gehen, könnt ihr ja schon Absprachen mit den Lehrkräften und der Schulleitung treffen, wie die Wiedereinschulung ablaufen soll. Es gibt keinen Standard-Prozess hierfür, sondern dies wird individuell geklärt und ist somit auch stark abhängig von den Personen, die euch gegenüber sitzen. Melde dich gerne bei Fragen, liebe Grüße Jenni

  4. Katharina Kühnen

    Liebe Jenni,

    Vielen Dank für die Infos. WOW 3 1/2 Jahre weg und sie kommen gut mit? Krass. Also wenn ich dich richtig verstehe hat man keinerlei Verpflichtung irgendetwas an Leistungen nachzuweisen wenn man sie abgemeldet hat? Wir würden auf jeden Fall Schule wechseln und deshalb stellt sich jetzt die Frage, wie wir da vorgehen würden. Schule wechseln, dann reisen, dann wieder einschulen oder reisen und dann eine neue Schule besuchen. Musstet ihr etwas vorweisen oder mussten sie einen Test machen? Oder sind sie einfach Gastschüler und dann wurde der Status aufgehoben wenn sie gut mitkommen?
    Es ist so aufregend nur darüber nachzudenken, hehehe!
    Danke Dir!

    1. Jenni

      Wir hatten uns auf das Kennenlern-Gespräch in der Schule vorbereitet und einen dicken Ordner für jedes Kind mit. In dem Ordner war eine Liste mit besuchten Museen, Nationalparks, sportliche Aktivitäten etc. sowie das letzte bearbeitete Matheheft, ein Deutschheft und Übersichten aus der Lernapp. Wollte niemand sehen. Es gab auch keinen Test. Die Kinder haben gesagt, dass sie wieder in ihre Klassenstufe möchten und dann war das so. Ich hab eine ähnliche Vorgehensweise zur Wiedereinschulung auch schon von anderen Reisefamilien gehört. Das jemand einen Test machen musste, hat noch niemand erzählt. Ich hatte mir im Vorfeld auch sehr viele Gedanken darüber gemacht, war dann aber echt kein Ding. Kann mir vorstellen, was in dir (euch) vorgeht. Ist eine tolle, aufregende Zeit vorher. Versucht sie zu genießen!

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