Manchmal braucht es gar keinen großen Roadtrip. Ich hatte ein paar Tage Zeit, wollte raus und suchte nach einem Wanderziel, das ich von unserem Zuhause im Odenwald ohne lange Fahrtzeiten erreichen konnte.
So landete ich in der Rhön – alleine und mit dem Camper.
Die Rhön liegt mitten in Deutschland und erstreckt sich über Hessen, Bayern und Thüringen. Große Teile dieser Mittelgebirgslandschaft gehören zum länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Nicht ohne Grund wird die Rhön gerne als „Land der offenen Fernen“ bezeichnet – ihr habt auf den Wanderwegen oft tolle Weitblicke!
Ich nehme euch nun mit auf meinen Rhön Roadtrip mit dem Van und verrate euch meine Route, die schönsten Wanderungen und Sehenswürdigkeiten und gebe euch Tipps für Stellplätze.
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Meine Route durch die Rhön
- Wanderung Kaskadenschlucht & Rotes Meer – Übernachtung am Guckaisee
- Wanderung auf die Wasserkuppe und chillen am Guckaisee – Übernachtung am Guckaisee
- Wanderung Milseburg & Keltenpfad bei Vacha – Übernachtung Unterbreizbach
- Erkundung des Kurortes Bad Salzungen – Übernachtung in Bad Salzungen
→ Prima lässt sich auch noch der Besuch am Point Alpha einbauen. Diesen habe ich vor einigen Jahren mit meiner Familie nach einem Trip nach Eisenach mit der Wartburg besucht.
1. Wanderung in der Rhön: Kaskadenschlucht und Rotes Moor
Der Weg in der Kaskadenschlucht ist herrlich naturnah. Mal führt er direkt am Wasser entlang, mal über Brücken. Oft ragen offene Baumwurzeln aus der Erde, andere Bäume sind längst entwurzelt und umgestürzt und liegen quer am Hang oder direkt im Bachbett.
Dazwischen taucht immer wieder roter Sandstein auf. Nicht nur an den Hängen, sondern auch mitten im Bachlauf.
Über den Namen Kaskadenschlucht könnten wir allerdings streiten. Wer sich jetzt einen Wasserfall vorstellt, der über mehrere Kaskaden durch eine tiefe Schlucht rauscht: möp. Das wird nichts.
Die Kaskadenschlucht ist vielmehr ein schmaler Waldweg mit stetiger Steigung, der einem natürlichen Bachlauf folgt.
Von der Kaskadenschlucht stieg ich weiter in Richtung Rotes Moor auf. Dort lief ich zunächst zum Moorsee und anschließend über den Bohlenweg durch den Karpatenbirkenwald. Dieser Teil hat mir besonders gut gefallen.
Am Aussichtsturm hatte ich schließlich einen weiten Blick auf den Heidelstein. Danach ging es wieder zurück in Richtung Kaskadenschlucht. Vielleicht lag es am Licht oder daran, dass ich den Weg nun aus der anderen Richtung sah – auf dem Rückweg kam mir der Wald noch ein wenig verwunschener vor.
Eckdaten zu dieser Wanderung in der Rhön
Startpunkt der Wanderung: Ich bin am Parkplatz an der Rhönmarkthalle gestartet. Von dort kombinierte ich die Kaskadenschlucht mit dem Roten Moor und dem Bohlenweg durch den Karpatenbirkenwald. Alternativ gibt es einen Wanderparkplatz direkt am Eingang zur Kaskadenschlucht. Diesen erreicht ihr über einen längeren Schotterweg. Für große Camper würde ich diesen nicht empfehlen. Näher könnt ihr am Wanderparkplatz Rotes Moor parken.
Infos zur Wanderung Kaskadenschlucht und Rotes Moor: Ich habe mir eine eigene Tour über meine Wanderapp zusammengestellt. Unterwegs entdeckte ich dann die Extratouren in der Rhön, die perfekt beschildert sind. Die Extratour Rotes Moor ist 18,2 km lang und führt euch zu den Highlights.
Übernachten mit dem Camper an der Kaskadenschlucht: Am großen Parkplatz an der Rhönmarkthalle und am kleineren Waldparkplatz an der Kaskadenschlucht gab es bei meinem Besuch keine Schilder, die eine Übernachtung ausdrücklich verboten hätten. Der Parkplatz an der Rhönmarkthalle eignet sich auch für größere Camper. Der Waldparkplatz ist deutlich kleiner und wegen der längeren Schotterzufahrt eher für kompaktere Fahrzeuge geeignet. Da sich Regelungen ändern können, solltet ihr die Beschilderung vor Ort immer noch einmal prüfen. Ich habe auf dem Wanderparkplatz am Guckaisee übernachtet.
2. Rhön Wanderung: Geo Lehrpfad Wasserkuppe
Den Guckaisee hatte ich mir deutlich größer vorgestellt. Tatsächlich ist er eher überschaubar. Rund um den See gibt es eine Liegewiese, einen kleinen Spielplatz und ein Restaurant mit Terrasse und Blick auf den See. Direkt am See starten zwei tolle Wanderwege zur Wasserkuppe.
Ich entschied mich für den etwa 17 Kilometer langen Geo-Naturpfad, der sich über längere Abschnitte mit der Extratour Wasserkuppe überschneidet. Die zertifizierte Extratour ist mit rund elf Kilometern kürzer und startet mit dem großen roten W am Guckaisee.
Zunächst wandert ihr in einem größeren Bogen um die Wasserkuppe und kommt schließlich zur Fuldaquelle.
Wenn ihr mit Kindern in der Rhön unterwegs seid und keine lange Wanderung plant, ist der Parkplatz an der Fuldaquelle ein guter Ausgangspunkt für einen vergleichsweise kurzen Weg zur Wasserkuppe. Zumindest während meines Besuchs war diese Strecke bei Familien ziemlich beliebt.
Ich folgte dagegen weiter dem Geo-Lehrpfad – und kam kurz darauf zu meinem absoluten Highlight dieser Wanderung.
Am Schafstein befindet sich ein Basaltblockmeer: Hier liegen zerbrochene Basaltsäulen übereinander, die sich scheinbar den gesamten Hang hinab ergossen haben. Ein ganz kleines bisschen erinnerte mich das an das Felsenmeer bei uns im Odenwald. Trotzdem sah es hier völlig anders aus: dunkler, kantiger und irgendwie wilder.
Ich war hin und weg.
Danach führte mich der Weg weiter zur Wasserkuppe. Schon bevor ich oben ankam, konnte ich die ersten Segelflieger beobachten. Auf dem eigentlichen Gipfelgelände war dann einiges los. Das Kinderprogramm und die verschiedenen Freizeitangebote waren gut besucht – wenig überraschend, schließlich waren gerade hessische Sommerferien.
Wer auf der Wasserkuppe absolute Ruhe erwartet, könnte deshalb zunächst etwas ernüchtert sein. Der höchste Berg Hessens ist eben nicht nur Wanderziel, sondern auch Ausflugsberg und ein bedeutender Ort des Segel- und Modellflugs. Entsprechend treffen hier Wanderer, Familien, Flugbegeisterte und Tagesausflügler aufeinander.
Mir wurde es zwischendurch jedenfalls etwas viel. Zum Glück änderte sich das schnell wieder, sobald ich das zentrale Ausflugsgelände hinter mir ließ.
Ruhiger wurde es direkt in Richtung Abtsrodaer Kuppe. Die markante Basaltkuppe liegt am Nordhang der Wasserkuppe und wird sowohl von Modellfliegern als auch von Gleitschirm- und Drachenfliegern genutzt.
Spätestens nach dem Fliegerdenkmal und dem Radom war ich wieder fast allein unterwegs. Und genau dort zeigte sich die Rhön von der Seite, die mir am besten gefallen hat: offene Höhen, blühende Wiesen und ein weiter Blick, der scheinbar in alle Richtungen reicht und ihrem Slogan so nah kommt: Das Land der fernen Weiten.
An manchen Stellen kam fast ein wenig Bergsommer-Gefühl auf. Ich lief an idyllischen Kuhweiden vorbei, naschte Himbeeren am Waldrand und beobachtete unterwegs unzählige Schmetterlinge. Immer wieder führte der Weg über höher gelegene Abschnitte, von denen ich weit über die hügelige Landschaft schauen konnte.
Eckdaten zur Wanderung auf der Wasserkuppe
Startpunkt der Wanderung: Ich startete direkt am Guckaisee, hier befindet sich auch ein großer Parkplatz. Alternativ könnt ihr auf der Wasserkuppe starten. Der P5 ist für Wohnmobile ausgelegt.
Infos zur Wanderung: Der etwa 17 km lange Geo-Lehrpfad Wasserkuppe überschneidet sich immer wieder mit der 10,6 km langen Extratour Wasserkuppe, allerdings verpasst ihr auf dieser mein Highlight, den Schafstein.
Übernachten mit dem Camper am Guckaisee: Auf dem großen Parkplatz am Guckaisee gibt es neben dem asphaltierten Parkplatz einen etwas abgelegenen Schotterbereich. Dort standen mehrere Camper und ich konnte kein Schild entdecken, das eine Übernachtung ausdrücklich untersagte.
3. Wanderung in der Rhön: Milseburg
Am nächsten Tag fuhr ich zum Wanderparkplatz Milseburg und startete von dort auf die Extratour Milseburg. Nach der großartigen Wanderung rund um die Wasserkuppe waren meine Erwartungen ehrlich gesagt ziemlich hoch.
Vielleicht lag es genau daran, aber so richtig gepackt hat mich die Strecke nicht.
Die Extratour ist insgesamt 10,6 lang und führt in einer größeren Runde zur Milseburg. Landschaftlich gibt es unterwegs zwar immer wieder schöne Abschnitte, insgesamt fand ich den Weg aber deutlich weniger abwechslungsreich als meine Wanderung am Vortag.
Deshalb mein ehrlicher Tipp: Wenn ihr vor allem die Milseburg sehen möchtet, müsst ihr nicht unbedingt die komplette Extratour laufen. Vom Wanderparkplatz führt auch ein direkter Weg hinauf. Hier gibt es einige Infotafeln, die euch die Geschichte dieser keltischen Siedlung näher bringen.
Oben wird der Weg felsiger und die Landschaft deutlich interessanter. Highlight ist dann die Aussicht vom 835 Meter hohen Gipfel.
Eckdaten Wanderung Milseburg in der Rhön
Startpunkt der Wanderung: Am Wanderparkplatz Milseburg.
Infos zur Milseburg Wanderung: Die Extratour Milseburg ist 10,6 km lang. Der direkte Weg vom Parkplatz zur Milseburg ist mit rund 3 km deutlich kürzer.
4. Rhön Wanderung: Extratour Keltenpfad
Da die Dame in der Touristeninfo auf der Wasserkuppe mir den Keltenpfad empfohlen hatte, fuhr ich auch noch in die nördlichen Ausläufer der Rhön. Die Wanderung startete ich im Freien Keltendorf, welches ihr gegen eine Spende besuchen könnt.
Danach machte ich mich auf den eigentlichen Weg und lief zunächst die obere Schleife. Und um ehrlich zu sein: Dieser Teil der Wanderung zog sich.
Der Weg verläuft über weite Strecken auf Forstwegen. Das ist angenehm zu laufen, aber landschaftlich nicht besonders abwechslungsreich. Zwischendurch gab es allerdings immer wieder interessante Infotafeln. Sie erklären die Geschichte der Kelten in der Region, das Leben am Öchsenberg und die noch vorhandenen Reste der Ringwälle.
Das Highlight ist dann der Ausblick auf dem Öchsenberg. Für das Keltenkreuz solltet ihr unbedingt noch ein Stück weiterlaufen.
Dafür geht ihr an der Einkehr vorbei, steigt die Treppe hinauf und folgt anschließend weiter dem Weg.
Auf dem Rückweg müsst ihr aufmerksam sein. Bevor es nach der Einkehr zurück in den Wald geht, gibt es einen Wegweiser zu den Basaltsäulen Alter Bruch. Folgt diesen!
Was mir nämlich vorher leider nicht klar war: Die Basaltsäulen am Alten Bruch liegen nicht direkt auf der ausgeschilderten Extratour. Ihr müsst dafür einen zusätzlichen Abstecher einplanen. Ich habe das erst später verstanden und die Basaltsäulen deshalb verpasst.
Das Steinmeer am Geiskopf liegt dann auf der unteren Schleife. Nach dem Schafstein bei der Wasserkuppe konnte es mich allerdings nicht mehr ganz so beeindrucken. Und insgesamt fand ich auch diesen Part der Wanderung nicht sehr spannend – es geht meist durch den Wald, lediglich auf dem letzten Stück öffnet sich der Blick. Dann seid ihr am Waldrand mit Aussicht auf den Kali-Berg unterwegs.
Eckdaten zur Wanderung auf dem Keltenpfad in der Rhön
Startpunkt der Wanderung: Am Keltendorf gibt es einen Parkplatz. Ich bin schon vor dem Wald auf einem Wanderparkplatz mit Aussichtsbank stehengeblieben.
Infos zur Wanderung Extratour Keltenpfad: Die Wanderung ist 17 km lang und erfordert aber Abstecher zu allen Highlights: Keltenkreuz, Basaltsäulen, Steinmeer und Keltendorf. Unterwegs gibt es viele Infotafeln, die über das Leben der Kelten am Öchsenberg berichten.
Stellplatz-Tipp für diese Wanderung in der Rhön: Ich habe auf dem kostenlosen Wohnmobilstellplatz Unterbreizbach am K + S Werk übernachtet. Direkt nebenan ist ein Spielplatz und eine Pumptrack – perfekt also auch für Familien.
Erkundung von Bad Salzungen in der Rhön
Die Rhön ist auch für ihre Kurorte Bad Kissingen, Bad Bocklet, Bad Brückenau, Bad Königshofen, Bad Neustadt a. d. Saale, Bad Salzschlirf und Bad Salzungen bekannt.
Ich entschied mich für eine kleine Erkundung von Bad Salzungen. Was ihr dort machen könnt:
- Spaziergang um den Bergsee an der Schnepfenburg. Allerdings gab es bei meinem Besuch im Sommer sehr starke Blaualgen (so intensiv habe ich das noch nie erlebt).
- Gradierwerk als Wellnessprogramm für die Atemwege
- Sole-Welt
Ich habe auf dem SOLE Reisemobilhafen in Bad Salzungen übernachtet. Dieser bietet richtig viele Plätze, liegt neben einem schönen Piratenspielplatz und einem Wasserzugang und ihr erreicht alle Sehenswürdigkeiten in Bad Salzungen prima zu Fuß.
Mein Fazit zum Wanderurlaub in der Rhön
Camping in der Rhön war begeisternd unbeschwert. Ich habe kurzfristig überall einen Stellplatz gefunden und kaum Verbotsschilder für Wohnmobile. Die Wanderwege waren hervorragend ausgeschildert, so dass ich nie eine Handynavigation brauchte – so was liebe ich sehr.
Mein Highlight in der Rhön war ganz klar die Wanderung auf die Wasserkuppe. Und zwar komplett: Die Höhenwege mit Weitsicht. Der Schafstein mit dem Basaltblockmeer. Die blühenden Sommerwiesen. Das anschließende Chillen am Guckaisee.
Wenn ihr also nur eine Wanderung in der Rhön machen möchtet, dann unbedingt den Geo-Lehrpfad Wasserkuppe!
Mein Roadtrip endete übrigens in der wundervollen Fachwerkstadt Schmalkalden. Da diese nicht mehr in der Rhön liegt, sondern schon im Thüringer Wald, gibt es dazu hier nur den Hinweis: Schmalkalden ist nur eine halbe Stunde Fahrtzeit mit dem Auto von Bad Salzungen und richtig toll! Ihr könnt dort außerdem die Viba Nougat-Welt besuchen! Die nächsten drei Bilder sind aus Schmalkalden:
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Bei unseren Camper-Roadtrips in Deutschland erzielen wir daher kaum Einnahmen. Diesen Artikel über die Rhön schreibe ich sogar zum zweiten Mal. Es gab nämlich einen Hackerangriff und meine komplette Arbeit eines Monats ist weg. Ich habe mir daher ehrlicherweise Gedanken gemacht, ob ich mir überhaupt die Mühe machen soll, einen Artikel, der kaum Einnahmen bringt, überhaupt nochmal zu schreiben (den ich dann ja auch noch regelmäßig updaten muss). Arbeit ohne Ertrag.
Aber ich hab mich entschieden: Der Versuch unabhängiger Reiseblog soll erstmal weiterlaufen. Ihr mögt dieses Konzept? Dann unterstützt uns gerne mit einer finanziellen Wertschätzung. So bleibt es uns weiterhin möglich Reiseberichte ohne finanzielle Beauftragung zu veröffentlichen.
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