Hanoi mit Kindern erleben – die Wohnung über der Suppenküche

Hanoi mit Kindern erleben – die Wohnung über der Suppenküche
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Unser Plan: Vietnam von Nord nach Süd bereisen. Während unserer Weltreise 2020 starteten wir in Hanoi (per Flugzeug von Luang Prabang, Laos kommend) unsere Vietnam-Reise mit unseren beiden Kindern. Überfordert vom lauten Verkehr (die Verkehrsregelung erfolgt unserer Meinung nach nur über Hupen), versuchten wir die Straße zu überqueren. Vermutlich ist der Verkehr wirklich die Hauptattraktion in Hanoi…

Wir besuchten das Wasserpuppentheater mit unseren Kindern, liefen die Trainstreet entlang, gruselten uns ein wenig im Ho-Chi-Minh-Mausoleum, erfuhren mehr über die geführten Kriege im Kriegsmuseum und suchten uns ruhige Ecken am Hoan-Kiem-See und auf dem Gelände der Zitadelle „Thang Long“, um dem Trubel ein wenig zu entkommen.

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Vor einigen Wochen noch in Bangkok gewesen, da kann uns Hanoi auch nicht schocken. Dachten wir. So ein Quatsch! Der Verkehr in Hanoi überforderte uns mit unseren Kindern von der ersten Minute bis zur letzten! Gefühlt kamen aus jeder Richtung gleichzeitig tausende von Rollern, vereinzelte Autos dazwischen und alle hupten alle paar Sekunden, als handelte es sich um eine „Totmannseinrichtung“ (alle paar Sekunden muss der Zugfahrer ein Pedal kurz loslassen, geschieht dies nicht, wird ein Notsystem eingeleitet, da davon ausgegangen wird, dass der Fahrer nicht mehr handlungsfähig ist).

Gar nicht einfach über die Straße zu kommen. Vor allem, wenn ihr mit Kindern in Hanoi unterwegs seid, die nicht mehr an die Hand genommen werden wollen! Wie wir überlebt haben? Immer in gleicher Geschwindigkeit weitergehen, nicht stehen bleiben, nicht ausweichen, aber nicht losgehen, wenn Autos kommen. Die Rollerfahrer weichen euch aus. Dennoch übernehmen wir keinerlei Garantie für diesen Tipp. Vielleicht müsst ihr auch die gesamte Dauer eures Aufenthaltes auf einer Straßenseite bleiben. Oder eben nur Ziele besuchen, die ihr ohne Überqueren der Fahrbahn erreichen könnt…

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Ho Chi Minh Mausoleum

Schon auf dem Weg zum Ho-Chi-Minh Mausoleum wird uns klar: wir sind in einem kommunistischen Land. Die Bauwerke sind komplett anders, als wir es aus Asien bisher kannten. Mark strahlt, ihn beeindrucken die großen Klötze sozialistischer Bauart rund um das Mausoleum. Wir anderen können diesen nicht viel abgewinnen. Soldaten stehen auf Wachposten. Es ist nichts los. Durch die Corona-Krise sind nur einige Touristen vor Ort. Überdachte Wartewege können wir direkt durchlaufen. Aber bitte immer nur genau so, wie es auch vorgeschrieben ist. Ich schlendere weiter, der Soldat schaut mich nervös an. Mark zieht mich zurück „du darfst nicht auf diesem Gehweg laufen! Hast du das Schild nicht gesehen?“. Normalerweise kann man hier gar nix falsch machen. Klare Anweisungen: Kamera und Verpflegung am Eingang abgeben, laufen wie angegeben.

Ich hab tatsächlich einen Ball eingepackt, weil ich dachte, die Kids könnten vor dem Mausoleum auf der Grünfläche spielen. Nix da, sie müssen mit rein und den ersten Toten in ihrem Leben sehen: Ho Chi Minh, den Volkshelden, liebevoll auch „Onkel Ho“ genannt. In Zweierreihen laufen wir durch. Die Räume sind runtergekühlt, wohl die ideale Temperatur für einen einbalsamierten Leichnam im Glassarg. Soldaten stehen an den Seiten, wir sollen mit angelegten Armen laufen. Nicht in die Tasche stecken, nicht verschränken. Rund um den Sarg ebenso Soldaten. Wir sind erstaunt, wie gut der ehemalige Präsident und Revolutionär aussieht. Immerhin ist er schon seit 1969 tot!

Auf dem Gelände gibt es noch einiges mehr zu entdecken (das Museum soll total interessant sein, am besten nach einem Guide fragen!), aber die Kinder beschließen: genug Ho Chi Minh!

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Vietnam Military History Museum Hanoi mit Kindern

 Die Corona-Krise macht sich langsam nicht nur auf Grund fehlender Touristen bemerkbar. Am Eingang des Museums werden wir gefragt, wo wir herkommen. Auf die Antwort „Germany“ gibt es die nächsten Wochen immer die gleichen Reaktionen: ein Stück rückwärts, Verweis auf das Desinfektionsmittel und Fiebermessen.

Der Innenbereich ist verständlich und mit englischen Erklärungen aufgebaut. Bedrückt stehen wir vor der Tafel mit den Jahreszahlen der Kriege, in die Vietnam verwickelt war. Interessiert schauen wir uns auf Bildern die Abwehrsysteme Vietnams an. Wir besprechen „Agent Orange“: das Entlaubungsmittel, welches die USA über dem Land versprühten, damit sich niemand im Dschungel verstecken konnte. Durch das Gift erkrankten unzählige Vietnamesen und ebenso die eigenen US-Soldaten. Immer noch leidet das Volk unter den Spätfolgen des Giftes (Fehlbildungen bei Kindern, Krebs etc.). An einem Schaukasten sind die Tunnelsysteme der Vietnamesen dargestellt, in denen sich die Soldaten versteckten. Unvorstellbar für uns, wie weitläufig, eng und bedrückend es dort gewesen sein muss.

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Im Museum gibt es einen großen Außenbereich mit vielen Fliegern und anderen Kriegsmaschinen. Rechts hinter den Gebäuden gibt es noch weitere Ausstellungsstücke, etwas schwer zu erkennen. Sehr aufmerksamkeitserregend ist der „Trümmerhaufen“ in der Mitte des Platzes. Die Überreste zweier amerikanischer Flieger. Vom Flaggenturm habt ihr einen tollen Ausblick auf das Gelände. Während wir die Maschinen bestaunten und versuchten, unsere Vietnamkrieg-Kenntnisse den Kindern zu vermitteln, fuhren die ersten Fahrzeuge des Gesundheitsamtes auf das Gelände. Menschen in Ganzkkörperanzügen stiegen aus und fingen an, Ghostbuster-mäßig das Gelände zu desinfizieren. Vorbildlich, dennoch irgendwie beängstigend.

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Zitadelle Thang Long - UNESCO Weltkulturerbe

Das Ho Chi Minh Mausoleum, das Kriegsmuseum und die Zitadelle sind allesamt in einer Ecke. Lohnt sich also, diese gemeinsam zu besuchen. Ihr solltet nur die eingeschränkten Öffnungszeiten des Mausoleums und die Mittagspause im Kriegsmuseum beachten (und normalerweise vermutlich den Menschenandrang).

Die kaiserliche „Zitadelle des aufsteigenden Drachen“ ist ein wirklich schönes Gebäude. Kinder können sich hier endlich bewegen und im hinteren Teil der Anlage ist sogar ein Spielplatz! Nehmt vorsichtshalber Insektenspray mit. Wir sind dort ziemlich zerstochen worden.

Über 13 Jahrhunderte war hier der Herrschersitz der Kaiser-Dynastien. Leider müssen wir zugeben, dass unser Wissen über die Dynastien hiermit auch schon aufhört. Während unserer Reise haben wir auch die Zitadelle in Huế besucht. Diese hat uns sogar noch besser gefallen!

zitadelle hanoi mit kindern

Wasserpuppentheater "Thang Long Water Puppet Theatre"

Normalerweise muss man wohl rechtzeitig die Tickets besorgen. Denkt also rechtzeitig daran, wenn ihr einen Besuch im Wasserpuppentheater Hanoi mit euren Kindern plant.

Im Wasserpuppentheater stehen die Darsteller hinter einem Vorhang im Wasser und bewegen vor dem Vorhang ihre Figuren. Es werden wichtige vietnamesische Geschichten erzählt (wie die Schildkrötensage) und Alltagsgeschichten (Reisanbau). Begleitet wird das ganze von einem kleinen Orchester mit heimischen Instrumenten. Alleine dies ist unglaublich spannend!

Entstanden ist die Tradition wohl im 13. Jahrhundert und wurde ursprünglich in Seen oder überfluteten Reisfeldern vorgeführt. Julian (8 Jahre) war mega begeistert „Ey, das war ja so geil!“. Wenn ihr mit Kindern in Hanoi seid, solltet ihr unbedingt das Wasserpuppentheater besuchen! Wir hatten übrigens Audioguides, diese haben wir jedoch recht schnell zur Seite gelegt. Braucht ihr unserer Meinung nach nicht.

Hoan Kim See

Der Hoan Kim See befindet sich gegenüber des Wasserpuppentheaters. Hier können sich die Kids frei bewegen und ihr könnt im Schatten die Angler beobachten. Der Sage nach gab hier eine große, goldene Schildkröte einem Fischer ein Schwert, welches ihn unbesiegbar machte. Dank diesem Schwert konnte der Fischer die Ming-Dynastie (15. Jahrhundert) besiegen und er wurde selbst König. Als der König sich am See für das Schwert bedanken wollte, tauchte die Schildkröte auf und forderte das Schwert zurück. Während der König noch nachdachte, stieg das Schwert in den Himmel hinauf, verwandelte sich in einen Drachen und stürzte dann in den See.

Die Brücke, welche auf die Insel führt, ist abends beleuchtet!

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Trainstreet Hanoi mit Kindern

Irgendwie wohl ein Must-See, wenn ihr in Hanoi seid: die Trainstreet. Seit 2019 ist die enge Straße, die immer noch von einem Zug befahren wird, für Touristen gesperrt. An den Eingängen sitzen Polizisten und vertreiben alle Schaulustigen. Wollt ihr euch die Straße anschauen, müsst ihr euch von einem Straßencafé-Besitzer am Eingang einsammeln lassen und dann dort etwas trinken. Anschließend dürft ihr über die Gleise wieder rausgehen. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn ihr in den Nischen sitzt und ein Zug eng vorbeibrettert. Beachtet die Fahrtzeiten des Zuges und dass bei der Fahrt ein großer Andrang in der Straße herrscht!

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Unsere Unterkunft in Hanoi:

Natürlich wollen wir auf Reisen ein wenig ins kulturelle Leben eintauchen und auch mal hinter die touristischen Kulissen blicken. In unserem AirBnB in Hanoi war uns das jedoch eine Nummer zu viel.

Versteckt an einer Suppenküche (die süßen, mit den kleinen Plastik-Kinderstühlen in Kindergröße) befand sich der Eingang. Vorbei am brodelnden Suppentopf, einen dunklen Gang entlang, an Schüsseln mit Fleisch, Gemüse schnipselnden Frauen auf dem Boden vorbei, Treppe hoch, vorbei an einer Einzimmer-Wohnung einer asiatischen Familie (ein Raum, Teppich, Fernseh, Schuhe davor – thats it) in unser Appartement. Hier saß der super nette Host im Eingangsbereich, der gleichzeitig als seine Wohnung diente. Auf der Couch schläft er, am Tisch trinkt er mit uns Tee. Wirklich saubere und schöne Zimmer.

ABER: dieser Geruch! Den ganzen Tag hing der Suppengeruch im Zimmer. Wir wachten nachts auf und ekelten uns! Am schlimmsten: morgens auf nüchternem Magen durch die Küche, vorbei an dem offenliegendem Fleisch und durch diesen Geruch! Leute, guckt euch das Video an. Reallife und außer Mark konnte dort keiner eine Suppe essen. Ich schwanke zwischen „was für eine Erfahrung!“ und „igitt, nie wieder!“.

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Unser Fazit zu Hanoi mit Kindern:

Wir würden sagen: wenn es sich vermeiden lässt, dann kommt nicht nach Hanoi mit euren Kindern. Da ihr aber gezwungenermaßen vermutlich in Hanoi oder Ho Chi Minh City landen müsst, lässt sich ein Aufenthalt kaum vermeiden. Wir würden zwei Nächte empfehlen. Dann könnt ihr eine Sightseeing-Tour machen mit der Zitadelle und dem Kriegsmuseum und abends eine Vorstellung im Wasserpuppentheater besuchen. Außerdem müsst ihr einen Egg Coffee trinken. Am besten nicht viel drüber nachdenken und einfach probieren! Wenn ihr während der warmen Monate in Hanoi seid, sucht euch ein Hotel mit Pool!

Wenn ihr euch fragt, warum die Häuser alle so schmal und dafür lang sind: die Grundsteuer wird auf die breite der Häuser berechnet! Und geht einmal in einen dieser schmalen Gänge! Ein Wirrwarr an Gassen, Eingängen und offenen Küchen werdet ihr finden! Übrigens sind die Viertel alle thematisch geordnet. Wir haben zum Beispiel im „Farben und Lack“-Viertel gewohnt. In anderen Straßen gibt es nur Schuhe oder nur Kleidung. Schön ist es auch in der Kaffee-Straße, die Lebensmittel-Straße hat uns nicht so zugesagt. Zu viel offenes, ungekühltes Fleisch…

Falls ihr mit euren Kindern Hanoi besucht habt und begeistert gewesen seid, lasst doch bitte einen Kommentar hier! Wie immer – alles unsere persönliche Meinung. Tatsächlich ist Hanoi (neben Paris) eine der wenigen Städte, in denen wir uns nicht wohl gefühlt haben.

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St Joseph Kathedrale
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